„Da ich bevorzugt mit häufig durchscheinenden oder transparenten Materialien arbeite, sind der Raum und der Betrachter immer ein wichtiger Teil meiner Installation. Meine „Interventionen“ werden großzügige und einfache Setzungen sein. Im Erdgeschoss wird sich eine Wand diagonal durch den Raum spannen, die aus Siebdrucken und bemalten Flächen auf PET- und Acryl-Platten besteht, zusätzliche Strahler werden farbige Schatten in die beiden Raumhälften werfen. Der Besucher bewegt sich mitten in diesem Farb-Licht-Raum. Der Titel der Ausstellung spielt auf die einzelnen Elemente dieser Wand an.“
Paul Schwer
„Seit Anfang der 1990er Jahre hat Paul Schwer sein ursprünglich rein malerisches Werk Schritt für Schritt konsequent verräumlicht und als jeweils situationsbezogene, installative Setzungen angelegt, in denen Farbe, Licht und Industriematerialien wie Plexiglas, Neonröhren und Folien eine zentrale Rolle spielen. Dabei reflektieren diese Materialien auch Schwers Erfahrung großer Metropolen, beispielsweise Shanghai, London und Istanbul, in denen er vielfach gearbeitet hat. Diese Mega-Cities sind für ihn nicht zuletzt Chiffren einer urbanistischen Realität, die von steten und oft disruptivem Wandel und zudem von synästhetischer Gleichzeitigkeit heterogenster Eindrücke geprägt ist. Auch deswegen gibt es in all seinen Arbeiten nicht nur eine deutliche Tendenz zur Auflösung eines verbindlichen Betrachterstandpunktes, sondern auch ein klares Bekenntnis zu Dynamisierung und zur permanenten Veränderbarkeit des Gezeigten. In diesem Werk ist nichts stabil und alles durchdrungen von der Erfahrung des Passageren, des Wandels, des Übergangs.
Das von Schwer vornehmlich verwendete transparente Plexiglas ist für den Künstler denn auch vor allem Ausgangspunkt für eine fortlaufende Verformung. Durch die Erhitzung des Materials wird der feste Kunststoff an den Rand der Verflüssigung gebracht und in verschlungene Raumkörper verwandelt, die mit ihren ausgreifenden Schwüngen und Durchblicken zugleich als malerische wie auch als plastische Gesten interpretiert werden können. Zugleich artikuliert sich in der farbigen Transparenz des Materials eine unauflösliche wechselseitige Durchdringung von Bildraum und Realraum, gewissermaßen eine Verschmelzung von Welt und Bild.“
Auszug aus dem Text „ Zeigen und Verbergen“ zu dem Internationalen
Lichtparcours Braunschweig, Stephan Berg, 2020